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Fortschritt in Grimmsland

Märchen für Mädchen und Frauen



Die moderne Hexe Ri-Ta macht sich auf ihrem Hexenbesen auf dem Weg zu ihrer Freundin, der Fee mit den vier Rädern am Hintern. Begleitet wird sie von der «kleinen Hexe», einer bekannten Kinderbuchgestalt von Otfired Preussler

(RIUS Eigenverlag, 1982)


Es existieren eine Menge Länder und Völker, von denen wir keine Ahnung haben, weil wir sie auf der Landkarte nicht finden oder weil wir in der Schule nie von ihnen gehört haben. Dabei ist es keine Kunst, sie zu entdecken. Wir müssen nur ein wenig träumen und schon erschliessen sie sich uns, wunderbar und fremd und seltsam. Manchmal können wir sogar von ihnen lesen, weil es Menschen gibt, die ihre Träume in Märchen und Abenteuergeschichten aufschreiben (…)

(…) Ri-Ta ist ein Kind dieser Erde. Ri-Ta, die moderne Blütenhexe, die in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung in einer deutschen Grossstadt wohnt. Vielleicht habt ihr schon von ihr gehört oder gelesen, vielleicht kennt ihr sie sogar persönlich. Sie erlebt oft spannende und auch traurige Dinge, wenn sie sich auf den Weg zu ihrer Freundin, der Freakfee mit den vier Rädern am Hintern macht.

Aus dem Vorwort zu «Die Blütenhexe und der blaue Rauch» 1984


Rita und Ursula


18. Juli 1984
Meine Geliebte, meine Freundin, meine Lady; wie waren wir so verliebt, Rita, wie waren wir so vergnügt, so interessiert, zärtlich, vertraut… Was haben wir nicht alles miteinander erlebt.

Wir haben so vieles gemeinsam durchgestanden. Wir haben zusammen so viel unternommen, was andere nicht für möglich halten würden. Abenteuer! Die grossen Reisen: Sri Lanka, die Palmeninsel; dieser Garten Eden, dessen schwere feuchte Luft sich erstickend auf deine angegriffenen Lungen legte. Erinnerst Du dich an die langen schwülen Nächte, in denen Du beinahe die Luft zum atmen nicht mehr fandest und ich bange neben dir lag, bis endlich der Morgen erlösende Kühle brachte, und ein Frühstück aus Minibananen und weissdottrigen Eiern.

Erinnerst Du dich an den Souk in Marrakesch mit dem aufdringlichen Händler, der dich ohne zu fragen in windeseile in eine prachtvolle orientalische Abendrobe wickelte, in der Du mit deinen blonden Locken aussahst wie eine gestohlene Prinzessin. Und dann meine fiebrige Blasenentzündung, die wir gemeinsam in unserem winzigen blauen Zelt durchstanden, unten, im finstersten Marokko; den Rollstuhl vor dem Eingang und das zugelaufene, verlauste Hündchen im Schlafsack als einzigen Wächter.

Erinnerst Du dich an die weisse Steinchenbucht in Kreta, in der wir unsere wintermüden Glieder hungrig der Sonne hingaben? Oder an das paradiesische Plätzchen in der Ardèche mit dem Bächlein und der Wasserschlange? Oder an den Muschelplatz in Siena, auf dem wir italienische Trauben und gummigen Schweizerkäse pick-nickten? Weisst Du noch, wie in Italien beim wild Campieren plötzlich ein Wildschwein an uns vorbei rannte und wie wir spät in der Nacht mit einem Kerzenstummel meine Kontaktlinsen im Sand suchen mussten? Erinnerst Du dich auch daran, dass wir einmal in der Silvesternacht in unserem Hotelzimmer trockenes Brot kauten, weil wir in ganz Venedig, trotz stundenlangen suchens, keinen Platz mehr in einem Restaurant fanden… ?

So viele Erinnerungen, so viel gemeinsames Erleben. Festgehalten in kleinen, zärtlichen Reisetagebüchlein, vollgestopft mit Federn und gepressten Blumen, mit Flugtickets und anderen Souveniers, für einander geschrieben.
Fünf Jahre gehen wir nun schon einen gemeinsamen Weg. Du hast, um in meiner Nähe zu sein, dein Land verlassen und bist in die Schweiz gekommen mit dieser fremden Mentalität, dieser fremden Sprache, dieser Arbeit in der Frauengruppe, die oft frustrierend ist.
Nun haben wir oft Schwierigkeiten miteinander.


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Ach Lady, wir müssen es doch schaffen, uns zu liebe in gegenseitiger Freiheit und Toleranz. Wir werden es doch schaffen…


Aus «Die Zärtlichkeit des Sonntagsbratens» 1986